Viele Patient:innen, die zu mir in die Praxis kommen, berichten von „verknoteten Muskeln“ oder Punkten, die bei Druck stark schmerzen. Solche myofaszialen Triggerpunkte sind kleine, verhärtete Bereiche in einem Muskel, die nicht nur lokal weh tun, sondern auch Schmerz in entfernte Regionen ausstrahlen können. Typisches Beispiel: Druck auf einen Punkt im Nacken kann Kopfschmerzen auslösen.

Was sind Triggerpunkte?

  • Lokal begrenzte Muskelverhärtungen, die sich bei Druck schmerzhaft anfühlen.

  • Sie können die Beweglichkeit einschränken und Muskeln schwächen.

  • Häufig entstehen sie durch Überlastung, Fehlhaltungen oder Stress.

Für Patient:innen bedeutet das oft: Schmerzen, die scheinbar „grundlos“ auftreten, aber in Wahrheit mit einer muskulären Funktionsstörung zusammenhängen.

Was bedeutet Sensitivierung?

Wenn Schmerzen länger bestehen, verändert sich unser Nervensystem. Man spricht von Sensitivierung.

  • Periphere Sensitivierung: Die Schmerzrezeptoren im Gewebe (z. B. rund um einen Triggerpunkt) reagieren empfindlicher – schon leichter Druck oder Bewegung reicht aus, um Schmerz auszulösen.

  • Zentrale Sensitivierung: Auch im Rückenmark und Gehirn können sich Nervenzellen „hochschaukeln“. Der Schmerz wird stärker wahrgenommen, selbst wenn die ursprüngliche Ursache (z. B. Muskelreiz) nicht mehr so groß ist.

Das erklärt, warum Schmerzen bei Triggerpunkten manchmal länger anhalten oder überproportional stark empfunden werden.

Was heißt das für die Behandlung?

  • Durch gezielte Physiotherapie (z. B. manuelle Techniken, Dehnung, Training) lassen sich Triggerpunkte meist gut behandeln.

  • Wichtig ist auch die aktive Mitarbeit: Bewegung, Kräftigung, Stressabbau und ergonomisches Verhalten helfen, dass Triggerpunkte gar nicht erst chronisch werden.

  • Bei lang anhaltenden Schmerzen berücksichtigt man auch den Faktor Sensitivierung – also, dass nicht nur der Muskel, sondern auch das Nervensystem einbezogen werden muss.
Literatur:
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